Fazit Bluefin
Nachdem Stoeps ein Fazit für die Benutzung von Bluefin veröffentlicht hat, gebe ich gerne meinen Standpunkt in die Diskussion.
Seit rund einem dreiviertel Jahr nutze ich Bluefin auf meinem Standrechner (AMD-CPU, mit Nvidia-Grafikkarte), dem Unterwegsrechner (Tuxedo InfinityBook Pro 14, Generation 9) und meinem Testrechner (Dell Latitude 7450).
Immutable Desktops sind toll, bringen sie doch die Trennung von Basissystem und Anwendungslandschaft direkt zu den Benutzern. Das ist eigentlich das, was wir System Engineers den Applikationsbetreuern im Serverbereich schon lange empfehlen und was einer der Treiber hinter containerisierten Lösungen (wie Docker und Podman) war und ist.
Zum Einstieg in das Thema "Immutable OS" emfpehle ich gerne die passende Buzzzoom-Episode, da beleuchten Mario und ich auch Pro und Contra.
Super ist, dass ich gelernt habe, dass das auf dem Desktop auch möglich ist. Und zwar wirklich gut. Distrobox ist vielleicht das beste Tool seit "geschnitten Brot", Homebrew und Flatpak helfen darüber hinaus. Wenn ich Homebrew mit dem empfohlenen Weg /bin/bash -c "$(curl …)" hätte installieren müssen, hätte ich es vermutlich nicht getan.
Damit komme ich auch schon zu meinem ersten grossen Kritikpunkt an Bluefin: Die Images sind viel zu gross! Pro Update (einmal pro Woche) sind es 600 MB bis 3 GB an Daten, die ich herunterladen muss. Das liegt zum einen daran, dass es häufig Änderungen in den unteren Layern des Container-Images gibt, aber zum anderen eben auch daran, dass zu viel Software im Basis-Container zu finden ist. Für mich sollte das Image nicht viel mehr enthalten als den Betriebssystem-Kern, Treiber, Firmware, systemnahe Software (libvirtd, …), ein Basis-Userland (glibc, …) und das Desktop Environment. Bluefin enthält darüber hinaus aber wesentlich mehr.
In Bluefin war und ist der Treiber für meine Docking-Station (displayLink) nicht enthalten und wird auch nie in das Image kommen. Dazu kommt ein Bug in der AMD-Firmware (genaueres dazu bei Stoeps), der auch nicht behoben wurde. Es führt also nichts daran vorbei, ein eigenes Image zu bauen und zu pflegen. Wenn man Bluefin als Basis nimmt, werden dann die Images noch grösser. Diese Probleme hat man mit vielen anderen Distributionen nicht.
Was nehme ich nun aus der Zeit mit?
Wenn ich auf eine paketbasierte Distribution wechsele, werde ich keine Fremdrepositories mehr einbinden. Dazu sind die Möglichkeiten, die mir Distrobox und Flatpak bieten, zu gut. Das gilt sowohl für Software, die in der Distribution nicht vorhanden ist, als auch für Software, die ich gerne in einer anderen (aktuelleren) Version einsetzen möchte.
Auf meinem zehn Jahre alten Notebook läuft momentan testweise CachyOS, das gefällt mir richtig gut. Vermutlich werde ich darauf umstellen. Gerade auf dem alten Gerät machen sich die Performance-Verbesserungen bemerkbar. Andere Distributionen habe ich mir gar nicht angeschaut, da kenne ich als Distrohopper sehr viele bereits.
Michael hat letztes Jahr im August einen sehr guten Artikel zu CachyOS geschrieben, den ich in einem meiner Linkdumps gefunden habe.