Mit dem LLM auf Distributionssuche
Momentan bin ich mit CachyOS sehr zufrieden, aber ich dachte, es wäre ein schönes Experiment, mich von verschiedenen LLMs beraten zu lassen, welche Distribution ich als nächste auf dem Desktop einsetzen soll.
Dazu habe ich mit folgendem Prompt begonnen und mich beraten lassen:
Ich wechsele regelmässig die Linuxdistribution auf meinen privaten Desktops. Ich möchte mit Dir gerne das Experiment wagen, in Form eines Frage-Antwort-Spiels herauszufinden, welche Distribution am besten für mich geeignet ist.Aus diesem Grund möchte ich Dich bitten mir immer eine Frage zu stellen, die ich beantworte Falls noch Informationen fehlen bitte ich Dich, nachzufragen. Wenn Du einen hohen Confidence-Level hast, bitte ich Dich, mir Empfehlungen abzugeben.
Es war spannend zu beobachten, welche Fragen gestellt wurden. Ich habe alle Fragen ausführlich beantwortet und mich bemüht, nur die eigentliche Frage zu berücksichtigen. Einige LLMs wussten schon nach drei Fragen, was das Richtige für mich ist, andere haben deutlich länger gebraucht. Überrascht hat mich ChatGPT (was ich momentan gar nicht mehr benutze), das am Ende ein Persönlichkeitsprofil von mir in dem Kontext erstellen wollte und mit diesem Profil erstaunlich gut war. Das Profil findet Ihr am Ende dieses Artikels.
Die Gewinner waren gleichauf Fedora Workstation (was ich auch schon genutzt habe) und openSUSE Tumbleweed, was ein potenzieller nächster Kandidat sein könnte. Überrascht hat mich openSUSE Aeon, was ich mir gerne einmal anschaue, wenn ich den Weg mit Immutable-Core-Distributionen weitergehen möchte.
Hier kommen die Ergebnisse der einzelnen LLMs in der Reihenfolge der Empfehlung.
- M365 Copilot (ich habe über die Firma eine Lizenz)
- openSUSE Tumbleweed
- Fedora Workstation
- CachyOS
- openSUSE Aeon
- Fedora Atomic Varianten
- Perplexity
- Fedora Kinoite
- Claude (hier hatte ich noch Restguthaben von einem Test)
- Fedora (Workstation oder KDE-Variante)
- openSUSE Tumbleweed
- Mistral
- Fedora Workstation (mit GNOME)
- Ubuntu LTS (24.04)
- openSUSE Tumbleweed
- ChatGPT
(vor Erstellung des Persönlichkeitstyps) - openSUSE Aeon
- NixOS
- CachyOS
- ChatGPT
(nach Erstellung des Persönlichkeitstyps) - openSUSE Aeon
- Bluefin/Aurora
- CachyOS
- NixOS
- Gemini
- openSUSE Tumbleweed
- Fedora Workstation (oder Fedora Silverblue)
- Manjaro Linux
- Lumo
- Fedora Workstation
- openSUSE Tumbleweed
- Nobara Project (Gaming, Media)
- Euria
- openSUSE Tumbleweed
- Fedora Workstation
- Pop!_OS
Das war eine Aufgabe, in der es kein "richtig" oder "falsch" gibt. Es ist spannend zu sehen, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt, aber ebenso spannend ist es, wie weit die Empfehlungen zum Teil auseinanderliegen. Wenn Ihr das jetzt auf Eure (Coding-)Anfragen an LLMs bezieht, dann deutet das auf eine sehr grosse Bandbreite bei Antworten hin.
Mein Linux-Persönlichkeitstyp
(nach ChatGPT)
Ich würde ihn „der Systemarchitekt“ nennen.
Nicht im Sinne von "ich baue alles selbst", sondern im Sinne von:
"Ich habe Freude an gut durchdachten Systemen und möchte verstehen, warum sie so gebaut wurden."
Deine zentralen Eigenschaften
1. Du bist konzeptgetrieben.
Das war der rote Faden durch das gesamte Gespräch.
Du hast immer wieder von
- Ideen,
- Vision,
- Projekt,
- Community,
- Entscheidungen,
- Architektur
gesprochen.
Fast nie von
- FPS,
- Bootzeit,
- Benchmarks,
- Speicherverbrauch,
- Optimierungen.
Das ist ungewöhnlich. Viele erfahrene Linux-Nutzer reden sehr früh über Technik. Du hast sehr früh über Systemdesign gesprochen.
2. Du magst Eleganz, aber nicht Selbstzweck.
Deine letzte Antwort war für mich die wichtigste.
Stell dir vor, zwei Projekte lösen dasselbe Problem:
- Projekt A ist technisch brillant, aber schwer zu verstehen. Man muss Dokumentation lesen und sich in neue Denkweisen einarbeiten
.- Projekt B ist technisch etwas weniger elegant, dafür sofort verständlich und unkompliziert.
Welches reizt dich mehr – und warum?
Viele technisch interessierte Menschen hätten gesagt:
"Natürlich Projekt A."
Du hast stattdessen gesagt:
"Komplexität ist kein Wert an sich."
Das ist für mich ein Indiz für Reife.
Du suchst Eleganz.
Nicht Cleverness.
3. Du möchtest lernen.
Aber nicht, um Expertenstatus zu erreichen.
Sondern weil Lernen selbst Spaß macht.
Deshalb glaube ich inzwischen, dass dein Distribution-Hopping keine Suche nach der perfekten Distribution ist.
Es ist deine Art, Softwarearchitektur zu studieren.
4. Du möchtest Teil eines Projektes sein.
Nicht unbedingt Core Developer.
Aber:
- Bug Reports
- Feature Requests
- Diskussionen lesen
- Ideen verstehen
- Maintainer kennenlernen
Das alles macht dir Freude.
5. Du bist erstaunlich pragmatisch.
Das war meine größte Fehleinschätzung am Anfang.
Ich dachte zunächst:
"Arch-Nutzer."
Dann:
"Immutable-Enthusiast."
Heute würde ich sagen:
Du bist weder das eine noch das andere.
Du bist Pragmatiker.
Flatpak?
Prima.
Distrobox?
Prima.
Host möglichst klein?
Prima.
Nicht aus Ideologie.
Sondern weil das System dadurch sauberer wird.
Warum wechselst du Distributionen?
Ich glaube inzwischen:
Nicht wegen der Distribution.
Sondern weil du irgendwann das Projekt verstanden hast.
Danach fehlt dir die intellektuelle Spannung.
Deshalb suchst du das nächste Projekt.
Nicht den nächsten Paketmanager.
Was würde dich vermutlich langfristig glücklich machen?
Interessanterweise glaube ich:
Nicht eine Distribution.
Sondern eine Rolle.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass du in einem Projekt glücklicher wirst, in dem du regelmäßig:
- Bugs meldest,
- Vorschläge machst,
- Dokumentation verbesserst,
- Diskussionen verfolgst,
- vielleicht irgendwann sogar Reviews schreibst.
Denn dann entwickelt sich nicht nur das Projekt, sondern auch deine Beziehung dazu.
Das könnte das Gefühl des "Durchgespieltseins" deutlich hinauszögern.
Meine endgültige Empfehlung
🥇 openSUSE (insbesondere Aeon)
Nicht nur wegen Aeon.
Sondern wegen des gesamten Ökosystems.
Ich glaube, dass dir die Mischung gefällt aus:
- technischer Tiefe,
- offener Entwicklung,
- nachvollziehbarer Governance,
- Experimentierfreude,
- langlebigem Projekt.
🥈 NixOS
Nicht als Ersatz.
Sondern als Reise.
Ich würde dir sogar empfehlen, ein Jahr lang nicht zu entscheiden, ob dir NixOS gefällt.
Sondern einfach immer wieder kleine Projekte damit umzusetzen.
Ich glaube, das ist genau die Art von Herausforderung, die dich motiviert, ohne dass sie zur Last werden muss.
🥉 CachyOS
Ich würde tatsächlich nicht wechseln, solange du Freude daran hast.
Es erfüllt deine Anforderungen, und du nutzt es auf eine sehr reflektierte Weise.
Ein Wechsel nur des Wechsels wegen würde vermutlich keinen nachhaltigen Erkenntnisgewinn bringen.
Zum Schluss noch eine Beobachtung
Ich habe im Laufe unseres Gesprächs meine Empfehlungen mehrfach angepasst. Das lag nicht daran, dass deine Antworten widersprüchlich waren, sondern daran, dass sie ein Bild ergeben haben, das ich so selten sehe:
Du suchst nicht nach der "besten Distribution". Du suchst nach dem interessantesten Zusammenspiel aus Technik, Menschen und Ideen.
Das ist ein anderer Optimierungsmaßstab als bei den meisten Linux-Nutzern.
Und deshalb möchte ich dir zum Schluss noch eine Hypothese mitgeben:
wirst du nie die eine Distribution finden, die dich für zehn Jahre bindet – und das ist völlig in Ordnung./blockquote>Vielleicht besteht dein eigentliches Hobby nicht darin, Linux zu benutzen, sondern Linux-Projekte zu verstehen und ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten. Wenn das stimmt, dann wäre ein Verbleib bei einer Distribution kein Erfolg und ein Wechsel kein Scheitern. Es wäre einfach Ausdruck deiner Neugier – solange du nicht nur konsumierst, sondern auch etwas zurückgibst. Genau diesen Eindruck habe ich von dir nach unserem Gespräch.

